Die CDU-Landtagsabgeordnete Simone Wendland hat die geplante Teilnahme Münsters am Landesmodell MISSIMO zur Bekämpfung des organisierten Kindergeldmissbrauchs als richtigen, aber überfälligen Schritt bezeichnet. „Es ist gut, dass die Stadtverwaltung jetzt den CDU-Antrag aufgreift. Andere Städte arbeiten schon seit Jahren erfolgreich mit MISSIMO. Münster hat lange gezögert und sollte deshalb jetzt entschlossen handeln“, sagte Wendland.
Die Vorlage sieht zunächst einen einmaligen Durchlauf vor, über dessen Ergebnisse und notwendigen Ressourcen anschließend berichtet werden soll.
Das Land Nordrhein-Westfalen habe mit MISSIMO ein strukturiertes und rechtssicheres Verfahren geschaffen, das kommunale Ämter, Familienkasse, Polizei, Jobcenter und gegebenenfalls Staatsanwaltschaft zusammenbringe. Bereits Ende 2023 hatte die Landesregierung die Kommunen ausdrücklich ermutigt, das vom Landeskriminalamt entwickelte Modell einzusetzen.
„Das Land stellt das Instrument, begleitet die Kommunen und organisiert den Erfahrungsaustausch. Nutzen müssen es die Städte aber selbst. Noch vor einem Jahr hatte Münster auf MISSIMO verzichtet. Dass nun erst nach dem Antrag der CDU-Ratsfraktion Bewegung in die Sache kommt, zeigt, dass die bisherige Zurückhaltung falsch war“, erklärte Wendland.
Wie wirksam MISSIMO sein könne, zeigten die Erfahrungen anderer Kommunen. In Wuppertal ergaben sich bei einer Kontrolle von 58 Objekten im Frühjahr 2025 in 20 Fällen Anfangsverdachte auf Steuerhinterziehung im Zusammenhang mit Kindergeld. Hinzu kamen Hinweise auf falsche Meldedaten, Schulpflichtverletzungen und versäumte Schuleingangsuntersuchungen. Düren meldete nach einer ersten Projektphase 13 Fälle mit 32 nicht angetroffenen Kindern, Rückforderungen und verhinderte Kindergeldzahlungen im sechsstelligen Bereich. „MISSIMO schützt nicht nur das Geld der Steuerzahler. Das Modell macht auch sichtbar, wenn Kinder nicht zur Schule gehen, Familien nur zum Schein gemeldet sind oder Menschen von kriminellen Strukturen ausgebeutet werden“, betonte Wendland. Es gehe ausdrücklich nicht darum, rechtmäßige Ansprüche infrage zu stellen, sondern organisierte Täter zu treffen, die den Sozialstaat und hilfsbedürftige Familien gleichermaßen ausnutzten.
Wendland erwartet deshalb, dass die Stadt den ersten Durchlauf zügig vorbereitet und aus belastbaren Ergebnissen Konsequenzen zieht. „Eine Erprobung ist sinnvoll, darf aber nicht zur nächsten Warteschleife werden. Wenn sich ein entsprechender Handlungsbedarf bestätigt, muss Münster die notwendige Koordinierung dauerhaft absichern und dafür auch die erforderlichen personellen Ressourcen bereitstellen. Der Sozialstaat bleibt nur stark, wenn Hilfe zuverlässig bei den Berechtigten ankommt und organisierter Missbrauch konsequent bekämpft wird.“
Darüber hinaus könne Münster wertvolle Erfahrungen bei der Zusammenarbeit verschiedener Behörden am Standort Münster sammeln. „Wir haben in Münster eine enorme Konzentration von Behörden der kommunalen, der Landes- und der Bundes-Ebene, da könnte man in Zeiten von Digitalisierung und KI gemeinsam zum Vorreiter werden, wenn es um Effizienz und Servicefreundlichkeit geht“, sagte Wendland.












