Schließungswelle bei Galeria Karstadt Kaufhof

Herr Präsident,

meine Damen und Herren,

Die erneute Schließungswelle bei Galeria Kaufhof Karstadt ist erneut von viel medialer Aufmerksamkeit begleitet, wird mit vielen Emotionen diskutiert und wird schließlich auch hier zum Thema im Landtag.
Dass es so emotional ist, ist ja auch sehr verständlich. Wir alle haben doch das Gefühl, dass wir einem Stück guter deutscher Wirtschaftsgeschichte beim Sterben zusehen, auch wenn es Hoffnungen gibt, dass Teile des Konzerns überleben werden.
Wir alle haben verfolgen können, wie die Angestellten um ihre Arbeitsplätze gekämpft haben, wie sie auch zu großen Zugeständnissen an die jeweiligen Eigentümer bereit waren. Wir alle haben die immer wieder von großen Hoffnungen begleiteten Eigentümerwechsel miterlebt. Wir haben politisch mit dafür gekämpft, dass dem Konzern auch mit Hilfe von Steuermitteln geholfen wurde. Wir haben vor Ort verfolgen können, wie um einzelne Standorte gerungen wurde, in dem mit den jeweiligen Immobilieneigentümern und Vermietern verhandelt wurde. Und wir alle bekommen jetzt in unseren Wahlkreisen die großen Sorgen um die Innenstädte mit, wenn es dort einen Kaufhaus-Standort erwischt hat.

Mit Blick auf die Beschäftigten kommt es einem so vor, als seien alle Bemühungen vergebens gewesen. Für die Beschäftigten ist es ein unerträgliches Hin- und Her gewesen, sie haben in der ganzen Zeit sehr viele Zugeständnisse gemacht.
Dennoch – und das ist ein kleiner Lichtschimmer am Horizont-liegt eine Chance, gerade in der durch die vielen Verhandlungen und Zugeständnisse gewonnenen Zeit. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter treffen jetzt auf einen ganz anderen, viel aufnahmebereiteren Arbeitsmarkt als ihre Kolleginnen und Kollegen bei den ersten Standortschließungen. Damals war Fachkräftemangel etwas, was vielleicht in ferner Zukunft stattfinden könnte, jetzt ist er da – auch im Handel.

Und für die Kommunen und betroffenen Innenstädte gilt, dass sie von den Erfahrungen früher betroffener Standorte profitieren können.
Da gibt es gute und schlechte Erfahrungen:
Zu den eher schlechteren zählt, dass die Entwicklung von Folgenutzungen lange – oft zu lange – dauert.
Deshalb ist es gut, dass die Landesregierung jetzt den Einstieg in die Entwicklung von Standortkonzepten fördert.
Zu den guten Erfahrungen zählt, dass ein so großer freier Innenstadtstandort auch Chancen bietet. Wenn man sich einmal anschaut, was aus den ehemaligen Standorten nach den Schließungen geworden ist, findet man da eine ganz breite Palette:

Von Seniorenwohnungen über Studentenwohnungen bis zur Kita, Gastronomie und Hotellerie, Büronutzungen und Einzelhandel, auch ein Fitneßstudio ist dabei.
Manchmal wurde das Gebäude auch abgerissen und etwas völlig Neues gebaut.
Aus dem Schock der Schließung kann also auch eine Zukunftsperspektive erwachsen, mit neuen Möglichkeiten und neuem Schwung für die jeweilige Innenstadt. Unsere Innenstädte und der stationäre Handel brauchen Aufenthaltsqualität und genau da bieten die Kaufhausstandorte enorme Chancen. Und das sind eben nicht nur kurzfristigen Pop Up stores und digitale Strategien, sondern langfristige Entwicklungen, die Handel und Verkehr in unseren Innenstädten neu denken. Dazu gehören auch mehr „Blau und Grün“ in den Städten.
Und das kann das Land auch nicht vorgeben. Das müssen die Kommunen selbst in Angriff nehmen. Am besten tun sie das unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger, die ihre Stadt mitgestalten.
Das Städtebauförderprogramm des Landes kann den Kommunen bei genau dieser Entwicklung und Umsetzung helfen.
Lebendige, belebte und attraktive Innenstädte sind in unser aller Interesse.
Die schafft man aber nur, wenn man in der jetzigen Situation auch die in ihr liegenden Chancen sieht, so gerne man sie auch vermieden hätte.

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